Energiedienstleistungen Remstal GmbH (EDR) hat im Auftrag der Stadtwerke Fellbach (SWF) und Schorndorf (SWS), sowie der Energieversorgung Filstal (EVF) am 17.07.2024 beim Landratsamt Göppingen einen Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung für Errichtung und Betrieb von vier Windkraftanlagen des Typs Vestas V172 am Standort GP‐03 Unterberken / Wangen (ehemaliges Bundeswehrdepot) eingereicht.
Die Windkraftanlagen des Typs Vestas V172 haben eine Nennleistung von je 7,2 MW, eine Nabenhöhe von 175 m, einen Rotordurchmesser von 172 m und eine Gesamthöhe von 261 m. Die Rotorfläche beträgt 23.200 m².
Der geplante Standort befindet sich an der Wangener Straße L1225 zwischen Schorndorf‐Unterberken und Wangen auf dem Gelände eines ehemaligen Bundeswehrdepots (Gebiet Weiter Wald).
Die vier Windkraftanlagen erfordern ein Investitionsvolumen von 40 Mio. Euro und sollen 60 GWh/a Windstrom pro Jahr liefern.
Sollten diese Windkraftanlagen genehmigt werden wären auf dem Schurwald bereits 9 Windkraftanlagen errichtet; der Weg vom Natur- und Erholungsraum zur Windkraftindustriezone wird konsequent weitergegangen.
Die EDR bewirbt das Windkraftprojekt „Windpark Schurwald“ im Internet:
https://www.windpark-schurwald.de/
Man beachte die Visualisierungen: Die 261 Meter hohen Windkraftanlagen sind kaum in der Landschaft zu sehen, sie sind eher als Suchbilder nutzbar.
Artenschutz
Die EDR hatte bereits im Jahr 2015 einen Genehmigungsantrag für vier Windkraftanlagen an diesem Standort gestellt. Dieser Antrag wurde jedoch im Jahr 2019 aus artenschutzrechtlichen Gründen wieder zurückgezogen. Es bestand ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko für den Rotmilan und Wespenbussard. Nachdem die Ampelkoalition den Artenschutz ausgehebelt hatte macht man nun einen zweiten Anlauf.
Windhöffigkeit
Wie auch andere Standorte auf dem Schurwald herrschen am GP-03 Wangen schwache Windverhältnisse. Der Orientierungswert des BW-Windatlas 2019 von 215 Watt /qm (mittlere gekappte Windleistungsdichte in 160 Meter über Grund) wird nur knapp erreicht. Das wirtschaftliche Risiko des Windkraftprojektes dürfte erheblich sein; bei dem Vorgängerprojekt sind die Stadtwerke Tübingen ausgestiegen, weil ihre Renditeerwartungen nicht erfüllt wurden (StZ 12.10.2016).
Wirtschaftlichkeit
Es ist unverständlich warum die beiden Stadtwerke sich in einem so riskanten Projekt engagieren. Die Stadtwerke Schorndorf haben in den Jahren 2022 und 2023 ein negatives Ergebnis vor Steuern. Der Aufsichtsrat empfahl für das Jahr 2023 dem Geschäftsführer die Entlastung zu verweigern.
Bei den Stadtwerke Fellbach heißt es in den Lageberichten der Jahr 2022 und 2023: „ … hohe Risiken vorhanden die sich sehr wahrscheinlich negativ wirtschaftlich auswirken werden.“
Warum will man nun 40 Mio. Euro in ein weiteres Risiko investieren, das zudem die Lebens- und Wohnqualität der Bürger und Kunden beeinträchtigt und deren Immobilienwerte stark schmälert?
Lärmausbreitung
Laut dem vom Projektierer EDR vorgelegten Schallgutachten wird der nächtliche Immissionsrichtwert in Unterberken erreicht. An fünf berechneten Immissionspunkte wird das Irrelevanzkriterium verletzt. Es ist fraglich, ob alle Vorbelastungen bei der Schallprognose berücksichtigt wurden.
Bei der Schallprognose wurde die Topographie nicht berücksichtigt. Offensichtlich erfolgte auch keine Prüfung hinsichtlich tieffrequenter Geräusche.
Die Windkraftanlagen am benachbarten Standort GP-05 Sümpflesberg / Königseiche (Ebersbach-Büchenbronn) führen zu erheblichen Lärmbelästigungen in Uhingen-Baiereck. Seit 06.03.2025 sind die Anlagen abgeschaltet. Dies sollte Mahnung genug sein das Lärmgutachten besonders genau zu prüfen.
Weitere Informationen finden Sie in der Stellungnahme der mit uns befreundeten Bürgerinitiative „Lebensraum Östlicher Schurwald e.V.“ vom 12.12.2024:
GP-03 Wangen – Stellungnahme Lebensraum Östlicher Schurwald
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Informationsveranstaltung der Stadtwerke Fellbach (SWF) und Schorndorf (SWS), sowie der Energieversorgung Filstal (EVF) am 10. November 2025 in Oberberken: Presseberichte:
Schorndorfer Nachrichten 12.11.2025: Windpark-Info – Angst vor Brummtönen